Frischzellenkur für Innenstädte

Veröffentlicht in Kommunalpolitik

 

Schon vor der Corona-Pandemie gab es die Diskussion um die Zukunft unserer Innenstädte. Welche Funktion werden sie haben, wenn die Bedeutung des Einzelhandels zurückgeht, weil es immer neue Vertriebswege für Waren gibt? Frank Steffen Vorsitzender SPD Oder-Spree sieht zahlreiche Chancen.

Der Online-Handel über Plattformen wie Amazon.de oder Otto.de, hat seit Jahren überdurchschnittliche Zuwachsraten. Andere, wie die Direktvermarktung über soziale Netzwerke, ziehen nach. Beide stellen auch aufgrund immer ausgeklügelter Lagerhaltungssysteme und der leistungsstarken Logistikunternehmen wie DHL und Co. eine harte Konkurrenz für den örtlichen Einzelhandel dar.

Im Lockdown gewinnen wir einen realen Eindruck, wie unsere Innenstädte aussehen, wenn es keinen örtlichen Einzelhandel mehr gibt. Ein herber Verlust! Nun macht es keinen Sinn, den Konsumenten - und damit uns allen - mit der moralischen Keule von Verantwortung und Solidarität zu drohen, wenn die Entscheidung, welche Produkte zu welchem Preis erworben werden, zunehmend am Smartphone getroffen wird.

Vielmehr müssen wir darüber diskutieren, wie wir uns unsere Innenstädte in 10 oder 15 Jahren vorstellen. Da gibt es die Idee vom Erlebnisort! Ich nenne das so eine Art „Disneyland“ in der Innenstadt. Dort werden wir bespaßt und unterhalten. Verantwortlich ist die jeweilige Kommune, die Feste und Events organisiert, bei denen sich die Menschen dann treffen.

Doch ist das wirklich ein erstrebenswertes Model der Innenstadt? Sind Innenstädte nicht eher soziale Orte? Letzteres halte ich für den besseren Ansatz. Wir sollten unsere Innenstädte als Orte des Miteinanders im Alltag entwickeln. Preiswerte Wohnungen für alle Altersgruppen, Arbeiten im Homeoffice, Co-Working, nachhaltige Dienstleistungen wie Schuster und Schneider, Ärzte, Physioterapien, Friseure, Floristen, Bibliotheken und Familienzentren gehören in die Innenstadt.

Dazu Cafés und regionale Anbieter von Lebensmitteln werten diese soziale Orte weiter auf. Orte in denen sich Menschen begegnen und kommunizieren. Face to Face wie es heute heißt und die Verabredungen von Angesicht zu Angesicht werden mit dem Smartphone getroffen. Und natürlich muss es in jeder Innenstadt weniger Autoverkehr und das beste WLAN der Stadt geben.

Lassen Sie uns an dieser Vision der sozialen Innenstadt arbeiten. Es lohnt sich. Bleiben Sie hoffnungsvoll, trotz der fortgesetzten Widrigkeiten. Um es mit Karl Valentin zu sagen: „Der Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.“

 

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