Neues vom 49-Euro-Ticket oder 1,61 Euro pro Tag

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Das Neun-Euro-Ticket war ein voller Erfolg. Ein kleines Sommermärchen in vertrackten Zeiten. Trotz Klagen über rappelvolle Züge (nach Sylt), Nachteile für das platte Land mit seinen wenigen Busverbindungen. Andere beklagten den günstigen Fahrschein für die gesamte Republik als teures Werbegeschenk der Bundesregierung. Und überhaupt! Hajo Guhl

Gekauft haben die Bürger es dennoch. Oder sind in den drei Sommer-Monaten deutlich preiswerter unterwegs gewesen als mit ihren regulären Dauerkarten. Oder wie in Berlin: Es wurde deutlich weniger schwarz gefahren.

Das Neun-Euro-Ticket hat etwas bewegt! In der Metropole Berlin gibt es für drei Monate den 29-Euro-Fahrschein und nun liegt ein Vorschlag für ein bundesweites Nachfolge-Modell auf dem Tisch. Vorgelegt auf der Verkehrsministerkonferenz in Bremerhaven.

Die Verkehrsminister von Bund und Länder halten grundsätzlich ein bundesweites Nahverkehrsticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets für möglich, heißt es im Beschlusspapier. Vielleicht schon im Januar 2023. "Die Verkehrsministerkonferenz hält in Übereinstimmung mit dem Bund einen Einführungspreis von 49 Euro pro Monat im monatlich kündbaren Abonnement für ein mögliches Angebot". Ende der Debatte, nicht ganz: Jetzt streiten die Beteiligten um die Finanzierung.

Der Bund stelle ab 2023 hierfür 1,5 Milliarden Euro jährlich zur Verfügung. Ziel sei eine Finanzierung durch die Länder in gleicher Höhe. "Die Länder sind unter der Bedingung einer Verständigung über die Regionalisierungsmittel zur Kofinanzierung bereit", sagte Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer als Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz in Bremerhaven.

Die Länder fordern weiterhin eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel vom Bund, um den Nahverkehr besser finanzieren zu können. Das schönste Ticket nütze nichts, wenn kein Bus fahre, so Schaefer.

Mal überlegen

Was außen vor bleibt bei dieser Rangelei um Verteilung von Einnahmen aus Fahrschein- und Abo-Verkäufen, Zuschüssen von Verkehrsgesellschaften in Stadt und Land: Es ist erklärtes Ziel der gegenwärtigen Politik, nicht nur in den Ballungsgebieten Staus in den Stoßzeiten zu vermeiden, Straßen für Fußgänger und Radfahrer frei zu halten, die Belastung durch Abgase und Lärm zu verringern. Und gleichzeitig die Mobilität erhalten: Wie soll das anders funktionieren als mit den Öffentlichen? Vielleicht gibt es auch (öffentliche) Alternativen zu den klassischen S-, U-Bahnen, Tram, Regios und Bussen? Innovationen sind angesagt.

Wien, eine Großstadt mit über eine Million Einwohner, bietet seit vielen Jahren ein 365-Euro-Ticket für seine Bürger. Ja, es ist ein Zuschussgeschäft, das übrigens die Bürger in Form von Steuern aufbringen. Bei einem 49-Euro-Ticket wären es für den Abonnenten (m/w/d) übrigens aufs Jahr umgerechnet 1,61 Euro pro Tag.

 

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